Sprache

Sprachliche Genderkompetenz entwickelt ein Sensorium für den Ausschluss des Weiblichen aus dem Sprachgebrauch und Strategien für die Sichtbarmachung weiblicher Lebenswelten in Wort und Schrift.

Minigamie
In Texten, denen wir im Alltag begegnen, gibt es massenhaft Sätze, die sich ausschließlich an Männer richten und die eine Welt beschreiben, in der es nur Männer gibt. Hin und wieder haben diese Männer noch weibliches Zubehör. Da gibt es zum Beispiel den Satz: Frauen hatten die Mongolen eine oder mehrere. Da es sich um eine ethnische Bezeichnung handelt, interpretieren wir das Maskulinum die Mongolen als geschlechtsneutral und paraphrasieren: Frauen hatten die mongolischen Männer und Frauen eine oder mehrere. Da auch bei den Mongolen nur Männer Frauen “haben” durften, können wir schließen, dass mit die Mongolen nur die mongolischen Männer gemeint sind.

Wird der Satz so umformuliert, dass Frauen und Männer als eigenständige Wesen erkennbar sind, so müsste er – durch Namhaftmachen des Männlichen – lauten: Frauen hatten die mongolischen Männer eine oder mehrere. Wie könnte der Satz aber lauten, wenn Frauen im Mittelpunkt des Interesses stünden: Lösung: Die mongolischen Frauen hatten einen Mann oder sie teilten sich einen.

Für diese Sicht der mongolischen Verhältnisse gab es bisher kein Wort. Wir kennen die Begriffe Polygamie, Monogamie, Polygynie und sogar Polyandie (Vielmännerei). Diese oben identifizierte Art des stressreduzierten Zusammenlebens mit dem Mann nennt Luise F. Pusch Minigamie.

Luise F. Pusch 1997 (gekürzt)
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