Genderkompetenz im Bildungskontext

Gender ist das “soziale Geschlecht” (im Unterschied zu Sex = biologisches Geschlecht). Damit sind die Vorgaben einer Gesellschaft, wie Frauen und Männer sind bzw. sein sollen, die Vorstellungen und Erwartungen an die Geschlechter, gemeint. Die Ausprägungen von Gender können sich im Lauf der Zeit ändern und variieren innerhalb und zwischen den Kulturen. Geschlecht im Sinne eines untrennbaren Zusammenwirkens von sozialen, kulturellen und natürlichen Faktoren wirkt so in komplexer Weise auf Individuen, ihre Entwicklungen, Haltungen, Möglichkeiten.

Vom ersten Tag ihres Lebens an verinnerlichen Kinder Rollenvorbilder und -stereotypen durch Bindung und Nachahmung – diese schränken oft schon früh die Chancen für größtmögliche Entfaltung und Entwicklung.

Nach den Eltern kommt den KindergärtnerInnen und LehrerInnen die größte Verantwortung und auch Chance zu, patriarachale Rollenmuster in Frage zu stellen. Dafür ist Sensibilisierung der Lehrer_innen und das nötige Handwerkszeug Grundvoraussetzung.

Frauen und Mädchen haben im deutschsprachigen Raum erst seit gut hundert Jahren Zugang zu höherer Bildung. In dieser Zeit haben sie die Männer – gemessen an Lehr- und Studienabschlüssen – überholt.

Durch die Orientierung an berufliche Geschlechterstereotypen, sind Frauen und Männer weiterhin in unterschiedlichen Berufen und Frauen mehrheitlich auf den unteren Ebenen beruflicher Hierarchien zu finden.

Genderkompetenz hat zum Ziel auf allen Ebenen des Bildungsbereiches Rollenklischees bewusst zu machen, ihre Entwicklung und Funktion zu analysieren und durch geeignete Instrumente das Spektrum von Lebensentwürfen und Chancen für alle Geschlechter zu erweitern.

Der Ruf nach Forcierung der naturwissenschaftlich-technischen Fächer für Mädchen ist berechtigt, ebenso wichtig ist aber der Kompetenzaufbau im Bereich sozialen Lernens bei Burschen.

So erweitern sich die Berufsfelder für beide Geschlechter und die Auswahl erfolgt mehr nach Kompetenzen und Interessen und weniger aufgrund tradierter Rollenklischees.

Genderkompetenz hat zum Ziel auf allen Ebenen des Bildungsbereiches Rollenklischees bewusst zu machen, ihre Entwicklung und Funktion zu analysieren, Potenziale zu erkennen, von einander zu lernen und durch geeignete Instrumente das Spektrum von Lebensentwürfen und Chancen für alle Geschlechter zu erweitern. Vor dem Hintergrund jeweils historischer und politischer Ausformungen der Gesellschaft ist die Reflexion der Alltagstheorien über Geschlechter sowie die Beschäftigung mit wissenschaftlichen Geschlechtertheorien, aber auch die fachdidaktische Auseinandersetzung mit dem Thema für alle Lehrerinnen und Lehrer bedeutsam.