Gender Medicine

Gendermedizin befasst sich mit den Auswirkungen des Faktors Geschlecht auf medizinische Versorgung, Diagnose und Behandlung, medizinische Hierarchien – kurz: Gesundheit und Krankheit.

Die WHO bringt folgende Beispiele für die gesellschaftlich definierten unterschiedlichen Chancen von Gesundheit, Krankheit und Verletzung für Frauen und Männer

  • Eine Frau kann keine medizinische Hilfe in Anspruch nehmen, weil die kulturellen Normen ihrer Gesellschaft eine Reise ohne Begleitung verbieten.
  • Eine verheiratete Frau steckt sich mit HIV an, weil soziale Standards männliche Promiskuität unterstützen und sie davon abhalten, auf die Benützung von Kondomen zu bestehen oder überhaupt Sexualität nur dann zuzulassen, wenn SIE will (Beschneidung).
  • Ein männlicher Jugendlicher stirbt bei einem Verkehrsunfall, weil männliche Normen ihn dazu anhalten, Risiken einzugehen.
  • Die Lungenkrebsrate der Frauen nähert sich der der Männer an, weil das Rauchen als attraktives Merkmal für männliche Unabhängigkeit und Selbstsicherheit gewertet wir, das zunehmend auch für Frauen interessant wird, während es früher den Beigeschmack des „Unweiblichen” hatte.

Grundlage für gendermedizinische Forschung ist eine Kooperation zwischen Sozialwissenschaften und Medizin.
Am Beginn der Gendermedizin stand die Erkenntnis, dass Krankheiten und ihre Symptome fast ausschließlich an Männern untersucht und getestet wurden.

Bis vor wenigen Jahren war die medizinische Forschung und Praxis im wesentlichen von der Annahme geprägt, dass es keine Notwendigkeit für geschlechterspezifische Forschung gibt, da – mit Ausnahme der Geschlechtsorgane – Frauen und Männer im Grunde gleich sind. Dabei müssten die Begründungen dafür, dass an Frauen bisher deutlich weniger geforscht wurde – wie der unterschiedliche Hormonspiegel im Verlauf der Zyklen – schon Anlass dafür sein, diesen Zugang in Frage zu stellen. Ein weiterer wichtiger Grund, warum Frauen vor der Menopause bisher kaum in klinische Studien einbezogen waren, ist der Schutz eines möglicherweise in der Testphase gezeugten Kindes – eine nachvollziehbare Begründung. Das bedeutet jedoch, dass Medikamente an solchen Frauen kaum getestet wurden und werden, wenngleich deren hormonellen und zyklischen Umstände sich von Frauen nach den Wechseljahren unterscheiden.

Mittlerweile ist das Thema Gendermedizin in der Medizinischen Forschung und den Medizinischen Universitäten verankert.

http://www.meduniwien.ac.at/orgs/index.php?id=1691